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Selbstmanagement in der Versorgung durch Gesundheitskompetenz stärken

Rund 38 Prozent der Österreicher:innen ab 15 Jahren leben mit einer dauerhaften Erkrankung, unter Berücksichtigung von 19 ausgewählten Krankheiten sogar 66 Prozent. Bei bestehenden chronischen Erkrankungen (NCDs) ist das Selbstmanagement der Patientinnen und Patienten ein zentraler Erfolgsfaktor – sowohl für Adhärenz und Krankheitsbewältigung als auch für die Umsetzung notwendiger Lebensstiländerungen und eine verbesserte oder zumindest stabilisierte Lebensqualität.

Damit Patientinnen und Patienten ihr individuelles gesundheitsbezogenes Selbstmanagement entwickeln und umsetzen können, braucht es eine gezielte Förderung, u. a. durch Gesundheitsfachkräfte. Die WHO definiert in ihrem Self-care Competency Framework (2024) Standards und Schulungsempfehlungen für die Stärkung dieser Kompetenzen. Auch auf Systemebene betont sie die Bedeutung von „self-care enabling environments“ und die Verantwortung der Gesundheitspolitik, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.

Quelle: WHO guideline on self-care interventions for health and well-being, 2022 revision: Conceptual Framework for self-care interventions


Selbstmanagement-Förderung betrifft daher mehrere Ebenen – Politik, Organisationen, Gesundheitsberufe und Patientinnen und Patienten. Sie muss analog und digital gedacht werden. Sie stärkt Selbstbestimmung und Eigenverantwortung, verbessert Behandlungsergebnisse und Lebensqualität und kann durch effizientere Versorgungsprozesse das Gesundheitssystem entlasten. Internationale Strategien – etwa die Schweizer NCD-Strategie – zeigen, dass Selbstmanagement-Förderung ein zentrales Prinzip moderner, patientenzentrierter Versorgung ist.

Quelle: Selbstmanagement-Förderung bei nicht übertragbaren Krankheiten, Sucht und psychischen Erkrankungen (Bundesamt für Gesundheit BAG, Schweiz)


Ziele

Ziel des Projekts 2026 ist es, den Stellenwert und vorhandene Formen von Selbstmanagement-Förderung mit Fokus auf Primärversorgung zu analysieren und Ansatzpunkte für ihre systematische Stärkung zu identifizieren. Dazu werden Fokusgruppen mit Angehörigen der Gesundheitsberufe durchgeführt, um bestehende Angebote, Bedarfe und Herausforderungen im Feld zu recherchieren. Informations- und Sensibilisierungsmaterialien für Selbstmanagement werden erstellt und in relevanten Gremien präsentiert. Auf dieser Basis werden erste Maßnahmen zur Stärkung von Selbstmanagement-Förderung in Einrichtungen und für Berufsgruppen konzipiert.
 

Nutzen

Selbstmanagement-Förderung stärkt die analoge und digitale Gesundheits- und Navigationskompetenz und Selbstwirksamkeit von Patientinnen und Patienten. Ist die Eigenverantwortung nachhaltig verbessert, sind damit positive Auswirkungen auf Therapieerfolg und individuelle Lebensqualität verbunden. Chronische Krankheiten und deren Folgen werden nachweislich besser bewältigt.

Das Projekt unterstützt die im Regierungsprogramm verankerte Stärkung der Gesundheitskompetenz. Es schafft Bewusstsein für den Nutzen von Selbstmanagement in der Versorgung und liefert die Grundlage für gezielte analoge und digitale Unterstützungsmaßnahmen für Gesundheitsdienstanbieter (GDA) und deren Fachkräfte. Dadurch werden Gesundheitskompetenz, Versorgungsqualität und Effizienz im System verbessert.
 

Kontakt: Christoph Schmotzer (christoph.schmotzer@goeg.at)